Jägerinnen und Jäger feiern…

…am 3. November ihren Schutzpatron, den heiligen Hubertus.

 

Wer kennt ihn nicht, den Hirsch mit dem strahlenden Kreuz zwischen dem Geweih?

Aber wer kennt schon die uralte Legende hinter dem Symbol, das uns von Bierflaschen, Kräuterlikören und anderen Produkten entgegenblickt?

Es ist jene wahre Geschichte vom heiligen Hubertus, die eine wichtige Botschaft gerade für die heutige Zeit enthält, von der wir im Folgenden berichten möchten.

Hubertus wurde 656 oder 658 geboren. Er war der älteste Sohn des Herzogs Bertrand von Toulouse Als Jüngling kam er an den Hof Theuderichs III. von Burgund und wurde von diesem zum Pfalzgrafen erhoben.

Da er die Gunst des Fürsten besaß und durch ausgezeichnete Klugheit alle seine Missionen erfüllte, gelangte er bald in die höchsten Stellungen des Reiches. Als Edelmann verstand er es hervorragend, mit Waffen umzugehen, und er erwarb sich im Jahre 687 in der Schlacht von Tertry hohe Verdienste.

Hubertus vermählte sich nun mit der schönen Floribana von Löwen; doch nur kurzes Eheglück war ihm beschieden, da sie nach der Geburt ihres ersten Kindes Floribertus starb.

Er empfand unsäglichen Schmerz über den frühen Tod seiner Gemahlin, und um seinen Kummer zu vergessen, stürzte er sich nun umso heftiger in allerlei weltliche Vergnügen.

Eines Tages begegnete er einem kapitalen, weißen Hirsch, dem er nun tagelang nachstellte, bis er sich immer tiefer in den Wäldern verirrte, und schließlich das erschöpfte Tier aufgespürt hatte.

Zur Verwunderung des leidenschaftlichen Jägers blieb der Hirsch ruhig vor ihm stehen. Schon hatte er den Bogen gespannt, um ihn zu erlegen, da erblickte er zwischen den Geweihstangen des Hirsches ein leuchtendes Kreuz.

Betroffen sank er auf die Knie und vernahm eine mahnende Stimme:

“Hubertus, warum jagst du nur deinem Vergnügen nach und vertust die wertvollste Zeit deines Lebens?”

Tief berührt von diesem Ereignis beschloss er, sein Leben zu ändern. Er legte all seine Ämter zurück, verteilte seine Reichtümer an die Armen und ließ sich zum Priester weihen und pilgerte nach Rom.

Später wurde er um das Jahr 700 zum Bischof von Maastricht geweiht. Im Jahre 727, nach einem bewegten Leben starb er mit 77 Jahren – ein für die damalige Lebenserwartung sehr hohes Alter. 993 wurde er in das amtliche Verzeichnis der Heiligen aufgenommen.“

Freilich gibt es verschiedene Versionen der Legende, und es wird behauptet, dass die Szene mit dem Hirsch eigentlich aus dem Leben des heiligen Eustachius stammt, und erst nachträglich auf Sankt Hubertus übertragen wurde.

Die tatsächlichen, historischen Ereignisse spielen aber eine untergeordnete Rolle, wenn wir uns mit der tieferen Botschaft der Legende befassen.

Der weiße Hirsch mit dem Kreuz ist wohl ein Symbol für die Heiligkeit allen Lebens, das der Mensch nur allzu oft für seine Ziele ausbeutet.

Nicht nur die Natur um uns sondern auch diejenige, die in uns ist, wird für Vieles geopfert, das vor dem Hintergrund der Ewigkeit jedoch keinen Bestand hat.

Heutzutage gibt es zahlreiche Argumente für und wider die Jagd. Doch diejenigen, welche die Jagd als eine wichtige Aufgabe der Hege und Pflege der Natur und wertvollen, historischen Brauchtums sehen, sind sicherlich in der Überzahl.

Immer noch wird dem erlegten Wild nach altem Brauch ein letzter Bissen (Zweig) in den Äser (Maul) gelegt, als Zeichen des Respekts vor dem Leben und der Opferung an den Schöpfer.

Hubertus ist nicht nur Schutzpatron der Jäger, der Umwelt und der Natur, auch gegen die im Mittelalter sehr gefürchtete Tollwut betete man zu ihm.

Mit einem glühenden „Hubertus-Schlüssel“ wurden Wunden von Tierbissen desinfiziert und anschließend mit dem „Hubertus-Wasser“ gereinigt.

Wer in der Tollwut die Aggression der Naturkräfte sieht, mag einen parallelen Zusammenhang zur heutigen Zeit erkennen, in der mit BSE, SARS, der Vogelgrippe und AIDS gefährliche Krankheitserreger von Tieren auf den Menschen übergreifen und weltweite Epidemien auslösen.

Sind sie denn eine Mahnung an uns, gleichsam jener, die Sankt Hubertus bei der Jagd nach dem weißen Hirsch vernommen hat?

Wenn uns die Legende vom heiligen Hubertus berichtet, dass ihm in einer Zeit, als keinerlei Vorschriften und Gesetze die Jagd regelten und den Tieren unmäßig nachgestellt wurde, bei der Verfolgung eines Wildtieres der Erlöser erschienen sei und er hierauf der Jagd abgeschworen habe, dann erkennen wir sehr leicht, worum es den Autoren bei der Erzählung ging:

Es soll verdeutlicht werden, dass alles Streben nach Macht, Genuss, Erfolg und Reichtum nicht das wirkliche Leben des Menschen ausmacht, sondern an seinen eigentlichen Aufgaben vorbeigeht.

Die Hubertuslegende erinnert in ihrem ersten Teil daran, wohin ein Mensch geraten kann, der sich in seinen Möglichkeiten und Privilegien verliert.

Der Hubertusgottesdienst und diese alte Legende sollten für uns Jägerinnen und Jäger Anlass sein, über die Verantwortung des Menschen für die Schöpfung neu nachzudenken.

Wir Jägerinnen und Jäger brauchen ein ganz besonderes Gespür für unsere Verantwortung. Denn unser Handeln ist unumkehrbar.

Wenn wir uns das Beispiel des Hubertus vor Augen führen, dann sehen wir:

Gesellt sich dem bewusst herbeigeführten Tod eines Mitgeschöpfes nicht so etwas wie ein wichtiger Grund, ein Sinn zu, dann bleibt dessen Tod sinnlos.

Die heutige moderne Jagd ist, im Gegensatz zur Feudaljagd vergangener Jahrhunderte, einem Sinn verschrieben. Sie ist kein Privileg zum Zeitvertreib!

Die Jagd ist verantwortliches und notwendiges Handeln.

In diesem Sinne, liebe Leserin, lieber Leser

Ihre

Hubertus Baden -Akademie für Natur und Jagd-

                      Jagdschule LInkenheim